Home > Live aus Nepal > Niraj: eine nicht-Erfolgsgeschichte

Seit dem Frühling ist Nraj ja wieder in seiner Heimat in Kavre, da er in der Schule nicht mehr haltbar war und sämtliche Interventionen im Sand verlaufen sind. Offenbar hat er sich mittlerweile für ein Leben ohne schulabschluss entschieden, wir vermuten, dass da neben seinen ungünstigen frühkindlichen Erlebnissen auch verschiedene (ebenfalls ungebildete) Verwandte einen Einfluss darauf hatten. Dank facebook wissen wir, dass er sich als knapp 13 jähriger schon deutlich älter gibt; die Bilder zeigen ihn rauchend und trinkend. Von seiner Grossmutter hören wir, dass es einigermassen ausser Kontrolle ist; von seinem Bruder, der nach wie vor in Kusunti lebt, heisst es, dass er irgendwie die märchenhafte Summe von 8000 Rs. pro Monat verdient. Laut Laxmi arbeitet er (als Träger?) im Wasserbusiness. Nraj scheint definitiv „verloren“ für einen Lebensentwurf mit minimaler Bildung und ist zudem willentlich ausserhalb unseres Einflusses. Glücklicherweise ist sein älterer Bruder Uraj ein anderer Charakter. Jedoch steht er (wieder ausserhalb unserer Kontrolle) offenbar in Kontakt mit Niraj. Dieser erzählt ihm vom grossen Geld und vielen Freiheiten und versucht nun, Uraj ebenfalls zurück nach Kavre (bzw. Banepa) zu holen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf und der ganzen Coronadebatte waren Laxmi und ich uns einig, Uraj erst nach den Festivals für einen Besuch nach Hause zu schicken. Auf diese Weise erhofften wir uns, dass er nicht in der Zeit der übertriebenen Protzkultur nach Hause kommt und dann ebenfalls vom vermeintlich schnellen Geld angelockt wird. Leider ging unser Plan nicht auf. Vor ca. einer Woche standen plötzlich Niraj und ein älterer Verwandter in Kusunti und holten Uraj kurzerhand ab. Nun müssen wir darauf hoffen, dass die Grossfamilie doch noch einen kleinen Nutzen an Bildung erkennt und wenigstens Uraj wieder zurückschickt. Laxmi und BK planen nach den Festivitäten einen Besuch in Kavre, um die Situation besser zu durchschauen und hoffentlich Uraj wieder zum Schulbesuch zu motivieren. Eine schwierige Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Schulen in Nepal seit März geschlossen sind und die Kinder nur spärlichen Fernunterricht bekommen. Da fällt aus der Perspektive der Kinder natürlich viel Positives und Soziales, das der Schulbesuch mit sich bringt, weg.